Die Geschichte der Siegelringe: Symbole der Autorität, der Identität und des Stils im Laufe der Jahrhunderte

Von Rachel Church

Vom alten mesopotamischen Siegel bis zum modernen Modestatement – Siegelringe haben eine jahrtausendealte Geschichte. Entdecken Sie, wie sich diese klassischen Schmuckstücke von Symbolen der Autorität zu Ausdrucksformen des persönlichen Stils entwickelt haben. Tauchen Sie ein in die faszinierende Geschichte der Siegelringe und ihre nach wie vor unveränderte Anziehungskraft.

Was versteht man unter einem Siegelring?

Siegelringe sind Schmuckstücke mit einem Bildnis, das zur Identifizierung des Trägers verwendet werden kann. Sie wurden in Wachs oder Ton gepresst, um einen Brief oder ein Paket zu versiegeln. Das Siegel diente als rechtsgültige Unterschrift und als Echtheitsnachweis. Siegel konnten groß oder klein sein, am Körper getragen oder mit dem Schreibutensilien aufbewahrt werden. Da das Siegel ein Zeichen von Identität und Autorität war, war es wichtig, den Zugriff zu kontrollieren und das Siegel in der Nähe (oder am Finger!) zu haben.

Sealed letter with wax impression

Versiegelter Brief mit Wachsabdruck

Siegelringe waren vermutlich die älteste Form von Ringen. Aus einem Siegel, das auf einen Draht aufgefädelt und am Finger befestigt wurde, entstand der Siegelring, wie wir ihn heute kennen. Sie sind oft wunderschöne Kunstwerke mit winzigen eingravierten Darstellungen, die die Kunstfertigkeit des Kunsthandwerkers zum Ausdruck bringen können.

Viele Siegelringe sind ganz aus Metall gefertigt. Das Motiv wird in die Frontplatte des Rings aus Gold, Silber oder unedlem Metall als Relieff oder als Intaglio eingraviert. Es gibt außerdem sehr schöne Ringe mit gravierten Edelsteinen wie Onyx, Karneol oder Jaspis.

Das Bild auf einem echten Siegelring erscheint spiegelverkehrt, damit es beim Eindrücken in Wachs richtig zu sehen ist. In den letzten Jahren hat der Siegelring jedoch seine Rolle als Briefsiegel verloren und ist zu einem Ausdruck von Identität und Stil geworden. Er hat sich zu einem Ring entwickelt, den viele gerne tragen, unabhängig von Herkunft und sozialem Status des Besitzers.

Was sind die Merkmale eines Siegelringes?

Ein Siegelring ist im Wesentlichen ein Ring mit einem Siegel oder einer Art Signet. Das Siegelmotiv kann die Form eines heraldischen Wappens, eines persönlichen Symbols oder eines Monogramms mit den Anfangsbuchstaben des Namens des Besitzers haben. Die Bezeichnung als „Siegelringe“ lässt sich auch darauf zurückführen, dass sie zum Verschließen von Briefen oder Paketen mit einem in farbiges Wachs gepressten Muster verwendet wurden.

Siegelring in Gelbgold, blauer Edelstein, rund, Gravur Wappen

Siegelring aus der Hallmark-Kollektion, 750/ Gelbgold, ovaler Lapislazuli, Intaglio-Gravur: Vollwappen

Das Motiv eines Siegelrings hatte die Funktion, den Besitzer zu identifizieren. Dies konnte sowohl durch das Tragen des Ringes am Körper als auch durch das Drücken des Ringes in das Wachssiegel eines Briefes erfolgen. Die Wahl eines adäquaten Siegelrings war von eminenter Wichtigkeit, da dieser die soziale Stellung des Trägers sowie dessen Werte und Interessen widerspiegelte.

Die Mitglieder aristokratischer Familien nutzten die Heraldik, um sich vom Mittelalter bis in die heutige Zeit auszuweisen. Ein Familienwappen bestand aus einem Schild (oder manchmal auch einer Raute für eine Frau) mit einem Helm und Helmzier bzw. einer Krone darüber und Wappenhaltern auf beiden Seiten. Das Wappen auf einem Siegelring konnte auch einen in ein Band eingravierten Familienspruch enthalten. Der Schild enthielt Motive, die sich auf die ursprüngliche Adelsfamilie und andere Familien bezogen, in die sie eingeheiratet hatten.

Siegelring in Rosegold oval mit graviertem Wappen

Ovaler Siegelring aus der Hallmark-Kollektion, 750/ Roségold, Siegelgravur: Vollwappen

Siegelringe enthalten manchmal das gesamte Wappen oder, insbesondere im Vereinigten Königreich, nur die Helmzier [crest] und den Familienspruch. Die Farbe war ein wichtiges Element der Heraldik, das sich in einem Siegelring mittels Schraffuren darstellen ließ, die dazu beitrugen, Familien mit ähnlichen heraldischen Motiven zu unterscheiden.

Sofern ein Wappen nicht in Frage kam, konnte ein Siegelring ein religiöses Symbol, ein persönliches Emblem, den Namen oder die Initialen des Eigentümers oder ein anderes Symbol enthalten, das der Träger als für ihn repräsentativ empfand.

Die häufigste Form eines Siegelrings besteht aus einer flach ausgeführten Platte, in die das Motiv eingraviert ist (Intaglio). Der Ring enthielt oft einen Rand um das Motiv, der das Bild einrahmte, wenn es in Wachs gedrückt wurde. Wenn das Motiv spiegelverkehrt eingraviert ist, erscheint es korrekt auf dem gesiegelten Wachs.

Siegelringe waren nicht nur praktische Gegenstände, sondern auch ein eindeutiger Ausdruck von Stil und Identität. Die Platte eines Siegelrings ist die Leinwand für den kreativen Ausdruck. Die Gestalter nutzen diese inhärente Form, um eine Vielzahl von Variationen zu entwerfen, die ein breites Spektrum an individuellen Stilen ermöglichen. Die anhaltende Beliebtheit von Siegelringen rührt von der Vielseitigkeit ihres Ausgangsdesigns her. Sie können damit über traditionelle Bezüge hinausgehen und lassen sich zu facettenreichen und persönlichen Modestatements weiterentwickeln.

Die Geschichte des Siegelrings

Frühgeschichte
Wo beginnt die Geschichte der Siegelringe?

Man geht davon aus, dass der Siegelring seinen Ursprung in den zylindrischen Siegeln der Assyrer hat, dem Volk des antiken Mesopotamiens (die Länder, die Teile des heutigen Irak, Iran, Kuwait, Syrien und der Türkei bilden). Diese fein gravierten Steine wurden auf Ton gerollt, um ein Bild oder eine Botschaft zu vermitteln. Um das Siegel immer griffbereit zu haben, wurde es schließlich der Länge nach durchbohrt, an einem Draht befestigt und am Finger getragen. Wenn man das Siegel in der Nähe und sicher aufbewahrte, konnte man sich auf eine Botschaft verlassen, die mit diesem Symbol versiegelt war.

Zylindersiegel, Assyrien

Zylindersiegel, Assyrien
17. Jahrhundert v. Chr.
© The Metropolitan Museum of Art, New York

Ring mit ovalem Stein graviert mit altertümlichen Zeichen

Ring mit Skarabäus und gravierter Unterseite
Ägypten 1985 v. Chr. – 1550 v. Chr.
© Art Institute of Chicago

Die Idee des Siegelrings gelangte von Assyrien ins alte Ägypten. Mit der zunehmenden Alphabetisierung wuchs auch die Verwendung des Siegelrings. Bilder von Herrschern und Gottheiten waren häufig auf diesen frühen Siegelringen zu finden. Ägyptische Ringe in Form eines heiligen Skarabäus-Käfers mit dem Namen des Besitzers oder einem Piktogramm auf der Rückseite wurden in der Mitte der XII. Dynastie (um 1800 v. Chr.) eingeführt.

‘Die Angelegenheiten seines Reiches besiegeln’: Das Siegel als Herrschaftszeichen

Der Siegelring war ein wichtiges Zeichen der Autorität und Authentizität. In der Einfassung war oft der Name oder das Bild des Besitzers eingraviert, wie bei den ägyptischen Ringen mit den Kartuschen der Pharaonen.

Dieser Ring mit quadratischer Fassung trägt die Namen der Königin Hatschepsut, einer der größten Pharaonen Ägyptens, und ihres jungen Stiefsohns Thutmosis III. Hatschepsut war zunächst die Regentin von Thutmosis, bevor sie selbst Pharao wurde. Dieser Ring verweist auf die frühe gemeinsame Regierungszeit der beiden.

Ring mit den mit graviertem Edelstein mit ägyptischen Schriftzeichen

Ring mit den Kartuschen der Hatschepsut und Thutmosis III.
Ägypten, ca. 1479-1458 v. Chr.
© The Metropolitan Museum of Art, New York

Siegelring aus goldfarbenem Edelmetall mit gravierten ägyptischen Schriftzeichen

Siegelring mit dem Thronnamen des Tutanchamun
Ägypten, ca. 1336-1327 v. Chr.
© The Metropolitan Museum of Art, New York

Die Analyse von Siegelringen kann helfen, politische und soziale Veränderungen in Gesellschaften zu verstehen. Ein Siegelring mit dem Thronnamen des jungen Pharaos Tutanchamun, Neb-kheperu-re, der die Worte “Geliebter des Amun, Herr der Ewigkeit” enthält, wurde möglicherweise abgeändert, um religiöse Veränderungen widerzuspiegeln. Der britische Ägyptologe Nicholas Reeves vermutet, dass der Name ursprünglich auch den Sonnengott Aten enthielt, der vom vorherigen Pharao Echnaton zum alleinigen Gott erhoben worden war.

Ein Siegelring barg die Macht des Monarchen in sich und war gewissermaßen ein Stellvertreter des Herrschers. Als der makedonische König Alexander der Große im Sterben lag, nahm er seinen Siegelring vom Finger und reichte ihn seinem General Perdikkas. Dieser legte den Ring, der als der Ring beschrieben wird, mit dem er (Alexander) die Angelegenheiten seines Königreichs und seines Reichs zu besiegeln pflegte, auf den leeren Thron. Wenn ein neuer Herrscher den Siegelring erhielt, war dies Teil einer symbolischen Machtübergabe.

Als Pompeius, der Rivale des römischen Kaisers Julius Caesar, in Ägypten getötet wurde, schickte man Caesar sowohl seinen abgetrennten Kopf als auch seinen Siegelring – ein unbestreitbares Zeichen der Echtheit. Der Kopf des Pompeius stand für seinen physischen Tod, der Siegelring für seine politische Autorität, die nun von Caesar kontrolliert wurde.

Minoische Siegelringe

Siegelringe zeugten von persönlicher Identität sowie politischer und wirtschaftlicher Macht und wurden oft aus den feinsten Materialien hergestellt. Einige der schönsten frühen Siegelringe wurden in der minoischen und mykenischen Periode von etwa 1700 bis 1000 v. Chr. hergestellt. Ihre flachen Ringköpfe sind fein mit mythologischen Szenen graviert, wie z.B. ein goldener Ring mit einer sitzenden Göttin und einer Reihe von Figuren, die Opfer darbringen. Die große Zahl der erhaltenen Siegelringe zeigt, dass sie eine wichtige Schmuckform waren.

Kopfseite eines Goldrings verziert mit einer sitzenden Göttin und einer Reihe von Figuren, die Opfergaben tragen

Goldring mit sitzender Göttin und einer Reihe minoischer Genius-Figuren, die Opfergaben tragen, gefunden in einem Fundkontext aus dem mykenischen Griechenland, aber wahrscheinlich im minoischen Kreta hergestellt
Archäologisches Nationalmuseum von Athen
© Zde, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Das unzerbrechliche Siegel

Ein Siegel aus Ton oder Wachs lässt sich nur schwer wieder entfernen, ohne Spuren zu hinterlassen. Siegelringe wurden zum Verschließen von Briefen und Paketen oder zur Sicherung von Gebäuden verwendet – das ungebrochene Siegel mit dem eingedrückten Absenderzeichen zeigte, dass das zu schützende Gut unversehrt geblieben war.

In der biblischen Geschichte von Daniel ließ König Darius ihn in die Löwengrube einsperren. Der Stein über dem Eingang war mit dem Siegel des Königs und seiner Edlen versiegelt. Dies war ein symbolischer Akt, der zeigen sollte, dass das Brechen des Siegels, um Daniel zu befreien, einen direkten Ungehorsam gegenüber dem König bedeuten würde. Das moderne Äquivalent ist ein Gerichts- oder Polizeisiegel, das an der Tür eines Tatorts angebracht wird, um die Autorität des Staates zu demonstrieren und unbefugten Zutritt zu verhindern.

Ring mit dem gravierten Bild einer altgriechischen Figur, die eine geflügelte Sandale befestigt

Ring mit dem Bild des Hermes, der seine geflügelte Sandale schließt
Griechisch (Süditalien), 4. Jahrhundert v. Chr.
© The Metropolitan Museum, New York

Repräsentation der Person durch ihren Siegelring

Die Menschen wählten die Motive ihrer Siegelringe, um ihre Identität oder ihre Ideale widerzuspiegeln. Der römische Kaiser Julius Cäsar zum Beispiel wählte die Figur der Venus Victrix, der Göttin der Liebe in voller Rüstung, von der er angeblich abstammte. Dies stellte ihn als mächtigen, aber frommen Krieger dar. Das Siegelbild reiste weit weg und repräsentierte einen doch in Abwesenheit. Als der römische Dichter Ovid von Kaiser Augustus ins Exil geschickt wurde, schrieb er an seinen treuen Freund, der Ovids Porträt in seinem Siegelring trug: ‘”Wie weit ist der arme Ovid jetzt weg?”, mag man beim Betrachten denken.’

Der Theologe Clemens von Alexandria (ca. 150 – 215 n. Chr.) legte Wert darauf, dass die Christen ihr Äußeres gut wählten. Obwohl er Schmuck generell ablehnte, erlaubte er Siegelringe zum Versiegeln von Briefen.

Goldring mit der Gravur einer sitzenden Frau und eines engelartigen Wesens

Goldring mit Intaglio einer sitzenden Frau und einem fliegenden Eros
Griechenland, 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr.
© The Metropolitan Museum of Art, New York

Allerdings ermahnte er die Christen, Bilder von Götzen wie den Liebesgöttern Aphrodite und Eros zu meiden. Auch Bilder von Waffen und Porträts schöner Jünglinge waren verboten, da sie Gewalt und Lüsternheit förderten.

Abbildungen von Trinkbechern oder Dionysos, dem Gott des Weines, waren auf römischen Ringen weit verbreitet. Nach Clemens waren sie jedoch unpassend, da Christen enthaltsam sein sollten.

Goldener Ring mit einer Figur aus der Griechischen Antike

Goldener Siegelring mit der Figur des Dionysos
Griechische Welt, 4. Jahrhundert v. Chr.
© Schmuckmuseum Pforzheim, Fotographie Petra Jaschke

Das passende Motiv für einen Christen wäre eine Taube, ein Kreuz, ein Schiff, ein Lamm oder das Christusmonogramm. Ringe mit Heiligenbildern waren ein Zeichen der Verehrung und eine Möglichkeit, die Heiligen um Schutz vor geistlichen und irdischen Gefahren zu bitten.

Siegelring graviert mit der Darstellung von Christus oder einem Heiligen

Siegelring mit Abbildung von Christus oder einem Heiligen
Gold, Niello
Frühchristlich-byzantinisch, 7. Jahrhundert
© Schmuckmuseum Pforzheim, Fotographie Petra Jaschke

Das Bild auf dem Ring, mit dem man seine Briefe versiegelte, war eine wahre Darstellung dessen, wer man war und woran man glaubte. Ein Bäcker wählte vielleicht die Göttin Ceres als Beschützerin der Ernte, während ein Ring mit dem Bild der Medusa vor dem bösen Blick schützen sollte.

Siegelringe im frühen Mittelalter

Ein Brief des Königs Berengar I von Friaul (* um 850; † 7. April 924 in Verona) aus dem Jahr 906 unterstreicht die Bedeutung des Siegels:

‘Damit dies wahrer geglaubt und treuer befolgt wird, befehlen wir, dies mit unserem Ring zu besiegeln und mit unserer eigenen Hand zu bestätigen.  

Das Siegel auf dem Brief von König Berengar I wäre eindeutig zu erkennen gewesen und hätte bewiesen, dass es sich um eine echte Mitteilung handelte, die ebenso eindeutig zu befolgen war wie ein direkter Befehl von Berengar I.

Einige Ringe enthielten sowohl den Namen ihres Besitzers als auch ein Bild. Ein Silberring aus dem 6. Jahrhundert trägt den Namen Bratha und das Bild eines Soldaten, der einen Drachen zertritt. Er wurde wahrscheinlich für einen Soldaten angefertigt.

Ring graviert mit dem Bild eines Kriegers und eines Drachens

Ring mit Abbildung eines Kriegers und eines Drachens
Möglicherweise Ägypten, 5. bis 6. Jahrhundert
© The Metropolitan Museum of Art, New York

Auch die Herrscher der germanischen Stämme, die das Römische Reich ablösten, benutzten Siegelringe. Ein Ring aus massivem Gold mit dem Namensmonogramm der Königin Aregunda (heute in der Bibliothèque Nationale de France) zeigt, dass auch gebildete Frauen Siegel benutzten. Ein anderer Ring mit der Inschrift “Elena” gehörte einer wohl gebildeten und bedeutenden Frau, die den Siegelring als Beleg dafür führte.

Ring graviert mit dem Monogramm des Namens Elena

Ring mit eingraviertem Namen Elena.
Merowingerreich, ca. 700-750
© Schmuckmuseum Pforzheim, Fotographie: Petra Jaschke

Der Siegelring im Hochmittelalter

Siegelringe waren im Mittelalter oft ganz aus Metall – Gold für die Wohlhabenden, Silber oder Bronze für die weniger Begüterten.

Die Heraldik, die Verwendung bestimmter Symbole und Farben zur Identifizierung einer Person oder einer Familie, wurde im Mittelalter entwickelt. Wer das Recht auf ein heraldisches Wappen hatte, konnte es auf der Oberseite seines Rings verwenden. Bei Ringen wurde manchmal nur der Schild oder nur die sogenannte Helmzier einer Familie verwendet und nicht das Wappen mit allen Details. Die Farben sind ein wichtiger Bestandteil der Heraldik und wurden manchmal durch eingravierte Linien- und Punktmuster dargestellt, die als “Schraffur” bekannt sind.

Das Tragen eines Siegelrings war nicht nur ein praktisches Zeichen, sondern zeigte auch, dass man ein eigenes Geschäft zu führen hatte und eine wichtige Person war.

Goldener Siegelring mit einem gravierten Wappen

Goldener Siegelring mit Wappen
Europa, ca. 1475
© Art Institute of Chicago

Einige byzantinische Ringe, wie der des Offiziers Michael Zorianus, tragen seinen vollen Namen und Titel. Vielleicht benutzte er diesen Ring, um offizielle oder militärische Korrespondenz zu verschicken?

Goldener Siegelring graviert mit griechischen Schriftzeichen

Gold signet of Michael Zorianus
Byzantine Empire, ca. 1300 CE
© The Metropolitan Museum of Art, New York

Personen ohne Wappen konnten ihren Anfangsbuchstaben oder ein berufsbezogenes Symbol verwenden. Ein Ring mit einem Schiff war eine gute Wahl für einen Kaufmann oder Seemann. Ein Schneider konnte eine Schere wählen. Angehörige von Zünften trugen manchmal Ringe mit dem Zeichen ihres Handwerks – ein schlichter Silberring mit einem eingravierten Ochsenkopf unter einer Axt könnte einem Metzger gehört haben.

Siegelring graviert mit einem Stierkopf

Möglicherweise Siegelring eines Metzgers
Silber, ca. 1500-1700
© Landesmuseum Württemberg

Beliebt waren auch geometrische Zeichen, die von Kaufleuten verwendet wurden. Sie können als eine frühe Form des Firmenlogos betrachtet werden. Diese Zeichen enthielten oft ein Kreuz, die Zahl 4 oder ein Herz als Teil des Motivs. Solche Eigentumsmarken wurden auf Warenbündeln angebracht, aber auch zur Kennzeichnung persönlicher Gegenstände verwendet. Sie sind häufig auf Grabsteinen, Kirchenfenstern oder Gebäudefassaden zu finden.

Ring graviert mit altertümlichen Zeichen

Ring mit Kaufmannsmarke, ca. 1500-1600
© Portable Antiquities Scheme, CC License

Schöne und teure Ringe waren mit wiederverwendeten, gravierten antiken Steinen besetzt, die von einer Inschrift umgeben waren. Das Tragen eines solchen Rings wurde nicht nur als Zeichen von Reichtum, sondern auch als Zeichen der Wertschätzung klassischer Bildung angesehen. Die Kenntnisse der Edelsteingravur wurden langsam wiederentdeckt, aber die beste Qualität hatten immer noch die Steine, die in der Antike hergestellt wurden.

Siegelringe der Renaissance

Ein Wappen ohne seine heraldischen Farben ist schwer zu erkennen. Das Anbringen einer farbigen Folie, die das Wappen hinter einem gravierten Edelstein in voller Farbe zeigt, war die perfekte Art, einen teuren und schönen Siegelring herzustellen.

Siegelring mit dem Wappen der Van Wijnbergen Niederlande, ca. 1535

Siegelring mit dem Wappen der Van Wijnbergen
Niederlande, ca. 1535
© Rijksmuseum, Amsterdam

Ring graviert mit einem Wappen bestehnd aus einem roten Hintergrund und drei Hirschgeweihen

Ring mit Wappen der Familie von Grüningen-Landau
Deutschland, 1400-50
© Landesmuseum Württemberg, Stuttgart / (CC BY-SA)

Ringe wie dieser wurden stolz auf Porträts wie dem von Hermann von Wedigh III. getragen, das 1532 von Hans Holbein gemalt wurde.

Porträt eines Mannes in historischer Tracht des 16ten Jahrhunderts.
Bildausschnitt einer männlichen Hand mit der Darstellung eines goldenen Ringes mit einem ovalen farbigen Edelstein.

Porträt von Hans Wedigh III (gestorben 1560), von Hans Holbein dem Jüngeren, 1532
Vermächtnis von Edward S. Harkness, 1940
© The Metropolitan Museum of Art, New York

Siegelringe mit Edelsteinen

Siegelringe mit eingravierten Edelsteinen waren noch eindrucksvoller als die teuren Goldringe. Dem Mailänder Edelsteinschleifer Jacopo da Trezzo, der am spanischen Kaiserhof tätig war, wird die Entdeckung des Geheimnisses der Diamantgravur zugeschrieben. Dies wurde beschrieben als ‘eine Sache, die mehr göttlich als menschlich ist‘.

Diese gravierten Edelsteine waren in den höchsten Kreisen der Gesellschaft sehr beliebt. Kaiser Karl V. von Spanien ließ sich einen Ring mit seinem Wappen auf einem Diamanten anfertigen. Die Mitglieder der Familie Medici in Florenz trugen Ringe mit gravierten Rubinen, Smaragden und Diamanten. In England trug Henrietta Maria, die Gemahlin Karls I., einen besonders prächtigen Siegelring mit einem Diamanten, in den das königliche Wappen eingraviert war. Der Stein hatte die Form einer Raute, da die Wappen der Männer traditionell die Form eines Schildes hatten, während die Wappen der Frauen rautenförmig waren.

Die Kenner an den königlichen und päpstlichen Höfen begannen, Sammlungen von gravierten Steinen anzulegen, die manchmal in Ringe gefasst wurden. In Italien wetteiferten die Medici in Florenz, die Gonzaga in Mailand und die Grimani in Venedig um die schönsten Edelsteine und Juwelen.

Zur Geheimhaltung versiegelt

Die Hoffnung der Menschen war, dass ein Brief mit ihrem Siegel privat bleiben würde, aber das war nicht immer der Fall. Maria Stuart, Königin von Schottland, die seit 1568 von ihrer Cousine Elisabeth I. von England gefangen gehalten wurde, schrieb an ihre Anhänger, um ihre Befreiung zu planen. Elisabeths Spionagechef Sir Francis Walsingham fing die verschlüsselten und versiegelten Briefe sorgfältig ab. Das Siegel wurde vorsichtig entfernt, damit der Brief kopiert und auf die Reise geschickt werden konnte. Maria hatte keine Ahnung, dass ihre geheimen Pläne, die sie unter ihrem Privatsiegel versteckt hatte, entdeckt worden waren, und wurde schließlich wegen Hochverrats enthauptet.

“Ich beuge mich niemandem”: Erasmus’ Siegelring

Der große humanistische Denker Desiderius Erasmus trug einen Siegelring, in den ein römischer Karneol mit dem Kopf eines Gottes eingraviert war. Erasmus glaubte, es handele sich um Terminus, den Gott der Grenzen und Vorbild der Tapferkeit. Er identifizierte sich so sehr damit, dass es zu einem wichtigen Teil seines öffentlichen Auftretens wurde. Er nahm den Wahlspruch “Cedo nulli” (Ich gebe niemandem nach) an und verwendete das Bild des Terminus auf seinem persönlichen Siegel. Auch Hans Holbein nahm das Bild des Terminus in seine Porträts von Erasmus auf. Die Verwendung dieses stark formulierten Mottos und des Bildes eines heidnischen Gottes brachte Erasmus jedoch die Kritik einiger religiöser Gruppen ein.

Das Bild von Terminus war für Erasmus ein so wichtiger Teil seiner Identität, dass es ihm als Beweis für die Gültigkeit seines Testaments diente, das er im Februar 1536 verfasste. Er schrieb:

‘Ich schrieb diesen letzten Wunsch auf, um seine Glaubwürdigkeit mit eigener Hand zu bestätigen, und versah ihn mit dem Siegel meines Rings, dem Terminus’

Erasmus hinterließ in seinem Testament zehn Goldringe, darunter sein persönliches Siegel, das er seinem Freund, dem Basler Kaufmann Bonifacio Amerbach, vermachte. Es befindet sich heute im Historischen Museum Basel.

Siegelring mit graviertem roten Edelstein. Motiv ein altertümliches Portrait eines Mannes mit Bart
Siegelabdruck mit dem Motiv eines altertümliches Mannes mit Bart

Siegelring mit Abdruck des Erasmus von Rotterdam, vor 1509
Gold und Karneol (römischer Edelstein, 1. Jahrhundert n. Chr.)
© Historisches Museum Basel, Fotographie Peter Portner

Das Siegel des Erasmus war nicht nur ein kostbares Schmuckstück, das von seiner Vertrautheit mit der römischen Literatur und seinem Status als Gelehrter zeugte. Es war auch das Andenken an eine Freundschaft. 1508 war Erasmus Hauslehrer von Alexander und James Stewart, den beiden unehelichen Söhnen von König James IV. von Schottland. Er begleitete sie auf ihrer Reise nach Italien und unterrichtete sie in Griechisch und Rhetorik. Als sie sich trennten, nahm Alexander den Siegelring mit dem eingravierten Karneol von seinem eigenen Finger und gab ihn Erasmus als Abschiedsgeschenk. Alexander starb wenige Jahre später in der Schlacht bei Flodden. Für Erasmus muss das Tragen des Ringes ein Zeichen der Verbundenheit mit dem Königssohn und ein Andenken an den früh verstorbenen jungen Freund gewesen sein.

Der Siegelring als Garantie

Ein Siegelring konnte nicht nur einen Brief versiegeln und sicher aufbewahren, sondern auch als Identitätsnachweis dienen.

In der mittelalterlichen Sage von Tristan und Isolde versprachen sich die Liebenden, einander treu zu bleiben, auch wenn sie sich trennen sollten. Isolde schenkte Tristan einen Ring, in den ihr Siegel eingraviert war, als physische Erinnerung an ihre Liebe. In einer Version der Geschichte erschien Tristan verkleidet vor Isolde und überzeugte sie von seiner Identität, indem er ihr den Ring zeigte.

In einem Theaterstück von Thomas Heywood aus dem Jahr 1606 schickt ein junger Mann einen Boten mit seinem Siegelring, um Waren abzuholen:

‘Nimm meinen Siegelring entgegen
Trage ihn zu meinem Faktor [Agent] Sag ihm, er möge dir vierzig Pfund solcher Waren aussortieren
die du für nützlich hältst.’

So wie ein mit einem vertrauten Bild gesiegelter Brief ein Zeichen der Echtheit war, zeigte der Ring selbst, dass der Überbringer den Besitzer des Rings repräsentierte.

18tes Jahrhundert

Das Siegel des 18. Jahrhunderts war ein eleganter Gegenstand. Neben Siegelringen wurden auch Siegelanhänger verwendet. Dabei handelte es sich um kleine Siegel, die an einer Uhrenkette oder einer Chatelaine (einer Sammlung von Taschenuhren, Siegeln und anderen persönlichen Gegenständen, die um die Taille getragen wurden) befestigt wurden. Neben Siegelringen und Taschensiegeln wurden auch kleine Siegel mit Griff (Petschaft) auf dem Schreibtisch oder bei Schreibutensilien aufbewahrt.
Die Wertschätzung der antiken griechischen und römischen Kunst, der sogenannte Neoklassizismus, führte auch zur Herstellung von kunstvoll gravierten Edelsteinsiegeln.

Anhänger mit einem gelbichen Edelstein, der mit einem Wappen graviert ist.

Graviertes Citrin-Anhängersiegel, wahrscheinlich britisch, ca. 1820-40
© The Metropolitan Museum of Art, New York

Siegelringe für Sammler

Sammler, die sich an den großen Sammlungen der Renaissance orientierten, erfreuten sich an schönen gravierten Edelsteinen. Manchmal handelte es sich um originale griechische und römische Edelsteine, die bei archäologischen Ausgrabungen gefunden und, als sogenannte Daktyliotheken, in speziellen Schubladenschränken aufbewahrt wurden. Andere zogen es vor, sie als Schmuck in Ringe, Broschen und sogar Halsketten verarbeiten zu lassen.

Obwohl einige Ringe als Siegel verwendet werden konnten, wurden viele hauptsächlich getragen, um zu zeigen, dass man über einen guten Geschmack und Bildung verfügte.

Kopfseite eines Ringes mit einem gravierten lila Edelstein.

Siegelring aus Gold und graviertem Amethyst
Italien, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts
© Schmuckmuseum Pforzheim, Fotographie: Petra Jaschke

Die Beschäftigung mit der Geschichte der gravierten Edelsteine (Glyptik) war eine Möglichkeit, sich mit der Kunst und den Werten der griechischen und römischen Welt zu identifizieren. Große Sammler wie George Spencer, der 4. Herzog von Marlborough, und seine Frau Georgiana legten außergewöhnliche Gemmensammlungen an und stellten Intagliogravuren für Siegelringe und plastische Kameen zusammen. Auch die russische Zarin Katharina die Große besaß eine große Anzahl gravierter Edelsteine sowie Vitrinen mit Glaskopien und Wachsabdrücken von Edelsteinen in anderen Sammlungen.

Der Besitz einer Sammlung von gravierten oder in Gips oder Glas abgeformten Edelsteinen war ein Zeichen von Raffinesse. Die Sammler trafen sich, um über die Edelsteine zu diskutieren und sie zu tauschen oder um die Motive und Inschriften zu begutachten.

Einige Mäzene wie Georgiana Spencer beauftragten Edelsteingraveure wie Giovanni Pichler (1734-1791), neue Edelsteine im antiken Stil oder sogar ihr eigenes Porträt zu gravieren. In ganz Europa wurden Gesellschaften gegründet, die das Studium und die Vervollkommnung der Edelsteingravur förderten. Von Meistern wie Pichler gravierte Edelsteine werden heute hoch geschätzt und von modernen Sammlern zu Höchstpreisen erstanden.

Ring-Kopfseite mit einem einem weißen Relief zwei Figuren und einem Schwan

Kameen-Ring mit Leda und Zeus als Schwan
1801-20
© Landesmuseum Württemberg

Ring rotem Edelstein mit der gravur eines beflügelten Knaben.

Ring mit Karneol-Intaglio des Amors
Römisch, 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr.
© Landesmuseum Württemberg

Obwohl Frauen nicht die gleichen Bildungschancen hatten wie Männer, interessierten sich viele für die klassische Welt. Königin Charlotte Mathilde von Württemberg (1766-1828) besaß mindestens 40 Ringe mit eingravierten Steinen, darunter diesen Ring mit einem Frauenporträt. Sie vermachte sie testamentarisch der Kunstkammer in Stuttgart.

Die mit Kameen besetzten Ringe (dreidimensionale Reliefs, im Gegensatz zu so-genannten Intaglios, die in die Ringschiene eingraviert sind) wurden nicht als Siegelringe verwendet, da sie keine flache Oberfläche besaßen, aber sie entsprachen weitgehend den damaligen Moden und wurden auf die gleiche Weise getragen wie die klassischen Siegelringe. Sie wurden auch in Daktyliotheken gesammelt und von Kennern studiert. Noch lange nachdem Siegel zum Verschließen von Briefen nicht mehr benötigt wurden, wurden sie gesammelt und geschätzt.

Ring-Kopf mit hellbraunem Edelstein,der mit zwei Porträts graviert ist.

Ring mit Intaglio-Porträts des römischen Kaisers Hadrian (76-138 n. Chr.) und seines Lieblings Antinoos (110/115-130 n. Chr.)
© Landesmuseum Württemberg

Ring mit einem roten Edelstein graviert mit einem Portrait einer Frau.

Intaglio mit einem weiblichen Porträt, ca. 1800
© Landesmuseum Württemberg

Der Siegelring mit kunstvollem Monogramm

Metallringe mit eingravierten Monogrammen oder ineinander verwobenen Initialen des Namens des Besitzers waren ein preisgünstiger und leichter zugänglicher Schmuck als gravierte römische oder griechische Gemmen. Juweliere wie die Londoner Firma Leadbetter warben auf ihren Visitenkarten damit, dass sie gravierte Wappen, Monogramme und andere Elemente zu den günstigsten Bedingungen herstellen könnten.

Abbildung eines gedrucken Blattes mit einer Engelsfigur und englischem Text

Visitenkarte des Londoner Juweliers Leadbetter, ca. 1800-1850
© The Metropolitan Museum of Art, New York

Monogramme bestehen aus einer Kombination von Anfangsbuchstaben, die jedoch auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden werden. Die kunstvolle Variante (engl. Cyphers) besteht aus einzelnen Buchstaben, die übereinandergelegt oder ineinander verschachtelt werden und doch in ihre Einzelteile zerlegt werden können. Es gibt auch Monogramme, bei denen Buchstabenelemente mehrfach verwendet werden, z. B. kann der senkrechte Teil des Buchstabens E auch für den Buchstaben R verwendet werden. Monogramme, vor allem in ihren kunstvollen Varianten, sind manchmal schwer zu interpretieren, wenn man den ursprünglichen Namen nicht kennt, auf dem sie basieren.

Einige Goldschmiede und Graveure spezialisierten sich auf die Herstellung von Siegeln für Ringe und Anhänger. Sie stützten sich dabei auf Ornamentbücher wie ‘A Complete Round of Cyphers‘ von Garnett Terry aus dem Jahr 1796. Die Kunden verwendeten ihr Familienwappen, ihr Wappen oder einfach ein Monogramm für das Siegel ihres Rings oder Anhängers. Ein einfaches Monogramm war eine geschmackvolle und zweckmäßige Verzierung, die dennoch interessant und originell sein konnte.

Titelseite eines historischen Buches in englischer Sprache mit Ornamenten
Abbildung eines gedruckenten Blattes mit einer Reihe von geschwungen Schriftzeichen.

Ein kompletter Satz von Monogrammen für den Gebrauch von Graveuren, Malern, Bildhauern, Goldschmieden, Haar-Künstlern, Emailleuren, Musterzeichnern, &c. By Garnett Terry, London, 1796
© Institut National d’Histoire de l’Art, Paris

19. Jahrhundert

Ich halte nichts davon, dass Männer viele Ringe tragen – ein einziger, ein Siegelring, ist comme il faut.’ schrieb die Zeitschrift Vogue 1893.

Im 19. Jahrhundert trugen die Männer viel weniger Schmuck als in den Jahren zuvor, aber der Siegelring blieb in Mode. Als praktischer Gegenstand entging er dem Vorwurf der Eitelkeit. Ein einfaches Monogramm oder ein Wappen, das in das Metall eingraviert wurde, entsprach dem guten Geschmack der Zeit. Oder der Kunde entschied sich für eine Gravur in Edelstein, z.B. aus Jade, Achat oder Karneol. Frauen trugen auch Siegelringe oder benutzten ein kleines Tischsiegel. Für den Siegelring wurde damals wie heute häufig der kleine Finger verwendet.

Siegelring mit eingraviertem Monogramm in einem schwarzen Edelstein

Siegelring mit graviertem Monogramm in Achat
Frankreich, 19. Jahrhundert
© Musée de la Vie Romantique, Paris

Mit der Erfindung der selbstklebenden Briefumschläge wurde der Siegelring nicht mehr benötigt und die Wachssiegel kamen allmählich aus der Mode. Dennoch wurde der Siegelringe weiterhin als elegantes Schmuckstück und als persönliches Erkennungszeichen getragen.

Junge Dame im Stil der Mitte des 19. Jahrhunderts, die einen Siegelwachsstab über einer Kerze erweichen will, um einen Brief zu versiegeln, den sie in der rechten Hand hält.

Ausschnitt aus einer Modetafel, La Lettre, Paris, 1832
© Musée Carnavalet, Paris

Personen, die ein Familienwappen besaßen, waren berechtigt, dieses auf ihrem Ring zu verwenden. Im Vereinigten Königreich führte das College of Arms ein offizielles Register der Familienwappen. Um ein Wappen führen zu dürfen, musste der Träger seine Abstammung von einem männlichen Familienmitglied nachweisen. Es bestand jedoch auch die Möglichkeit, die Verleihung eines Wappens zu beantragen. Die Herolde des Kollegiums prüften den Antrag und entwarfen unter Berücksichtigung der Interessen des Antragstellers ein neues Wappen. Das deutsche System war wesentlich demokratischer. Seit dem 15. Jahrhundert hatten die Pfalzgrafen des Reichshofrats das Recht, Wappen zu verleihen. Diese wurden an bürgerliche und manchmal auch an bäuerliche Familien verliehen. Heute verwenden viele Menschen ein Familienwappen oder einen Wahlspruch auf einem Siegelring.

1893 riet die Vogue ihren amerikanischen Lesern, nach einem gleichlautenden englischen, holländischen oder gar irischen Namen zu suchen, der ein Wappen führen durfte, und ihre Briefe mit Wachs zu versiegeln – ein vielleicht etwas zweifelhafter Rat! Dies galt umso mehr, als britische Bürger von 1798 bis 1944 für die Führung eines Wappens eine Lizenz erwerben und bezahlen mussten.

In Zeitungsberichten lässt sich nachweisen, dass es zu strafrechtlichen Verfolgungen kam, und zeigen, dass dieses Gesetz konsequent angewendet wurde. So wurde 1913 Leutnant Wynham P. de L. Cuffe aus Salisbury vor Gericht gestellt, weil er einen Siegelring mit eingraviertem Wappen trug. Als er erklärte, der Ring gehöre seinem Vater, der eine Lizenz erworben habe, und er habe ihn nur zum Juwelier gebracht, kam er mit einer Geldstrafe davon.

Heute kann jeder selbst entscheiden, welche Motive er auf seinen Ringen haben möchte – sei es ein Familienmotiv, ein Hobby oder eine ganz persönliche Leidenschaft.

Der Siegelring und als Beweismittel

Auch nachdem das Siegel zum Verschließen von Briefen nicht mehr benötigt wurde, hatte es weiterhin rechtliche Bedeutung. In einem Fall von Versicherungsbetrug aus dem Jahre 1892, bei dem es um den Tod eines Pferdes auf einem Schiff ging, entnahm der Schiffsarzt den Mageninhalt des Pferdes und füllte ihn in ein Glasgefäß, das er mit seinem Siegelring versiegelte, wobei er hilfreich hinzufügte, dass es eine Darstellung von Venus und Amor enthielt. Das Siegel bewies, dass das Glas nicht geöffnet oder manipuliert worden war.

Auch heute noch werden Siegel auf einer Reihe von Urkunden und Dokumenten der öffentlichen Verwaltung verwendet.

Der Siegelring als Geschenk

Goldener Ring mit schwarzem Edelstein in Form eines Schildes mit Gravuren.

Absolventenring, 1864, Ball, Black und Co. USA
© The Metropolitan Museum, New York

Gravierte Siegelringe waren in Mode und ein beliebtes Geschenk für Männer und Frauen. Als John K. Elliott 1864 die Militärakademie der Vereinigten Staaten absolvierte, bestellte seine Klasse passende Ringe. Leider starb Elliott wenige Jahre später im amerikanischen Bürgerkrieg.

Einige Siegelringe hatten einen hohen sentimentalen Wert. Als der britische Maler William Holman Hunt aufbrach, um im Heiligen Land zu malen, schrieb ihm sein enger Freund John Millais in einem sehr emotionalen Brief, dass er kaum die Kraft habe, sich zu verabschieden, und bat ihn, zu den Londoner Juwelieren Hunt und Roskell zu gehen, um einen Siegelring anfertigen zu lassen, den er täglich tragen sollte, um sich an Millais zu erinnern. Obwohl es sich um einen Siegelring handelte, war er eher ein Zeichen der Freundschaft als ein praktischer Gegenstand.

Siegel wurden auch als Zeichen für heldenhafte Dienste verliehen. Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg von den Stränden von Dünkirchen evakuiert wurden, erhielten Siegelringe als Zeichen der Anerkennung für ihren Dienst. Laut dem Belfast Telegraph vom 18. Juni 1940 wurde dem Kanonier Edward Martin von seinen Nachbarn in Belfast ein goldener Siegelring überreicht.

Zeitungsberichten zufolge waren Siegelringe zu Beginn des 20. Jahrhunderts neben den beliebten Broschen und Medaillons ein beliebtes Geschenk für die Brautjungfern. Es handelte sich um eine Mode, die in den höchsten Kreisen der Gesellschaft verbreitet war. Der britische Prinz Charles schenkte seiner Verlobten Prinzessin Diana am Vorabend der Hochzeit einen Siegelring mit den Federn des Prinzen von Wales, seinen persönlichen Insignien.

Der althergebrachte Siegelring ist nach wie vor ein beliebtes persönliches Geschenk für jeden Geschmack.

Der moderne Siegelring

‘Der Siegelring scheint nie aus der Mode zu kommen. Seine Robustheit spricht für ihn, denn er ist ein sehr langlebiges Geschenk und sieht immer gut aus.’ behauptete eine englische Schmuckfirma in ihrer Werbung von 1916.

Für die meisten von uns sind Papierbriefe weitgehend durch E-Mails und Instant Messaging ersetzt worden. Das Versiegeln eines Briefes mit einem Siegelring ist nicht mehr notwendig, und vielleicht gerade deshalb kann es eine große Aufwertung für eine besondere Nachricht sein.

Aber Siegelringe sind nicht aus der Mode gekommen. Laut der Zeitschrift Vogue aus dem Jahr 1910 waren nur sehr wenige Ringe für Männer geeignet, abgesehen von ‘ovalen oder rechteckigen mit eingravierten Monogrammen, schlicht oder verziert’

Die unveränderte Anziehungskraft des Siegelrings wird in einer lustigen Geschichte aus dem Perthshire Advertiser vom 27. Juli 1940 deutlich. Ein Offizier der Luftwaffe trug voller Stolz einen Siegelring und benutzte ihn sogar zum Versiegeln von Einschreiben in seinem Hauptstadtbüro. Nach einigen Jahren entdeckte er, dass auf dem Ring, den er von einem Freund aus Bagdad geschenkt bekommen hatte, auf Arabisch “Fahr zur Hölle” stand. Eine Warnung an Siegelringträger: Achten Sie darauf, dass das Motiv auf Ihrem Ring keine unerwünschte Bedeutung hat!

Zwei Edelsteinringe (einer rot, einer schwarz) mit gravierten Schultern im Stil der 1920er Jahre und originalem handgeschriebenem Anhänger.

Zwei Siegelringe mit mittelalterlichen Ringschienen, Bilhmeyer, 1920er Jahre

Ring mit rotem, rechteckigem Edelstein und Schultern im Art-Déco-Stil der 1930er Jahre.

Siegelring mit Art-Déco-Ringschiene, Bilhmeyer, 1930er Jahre

Auch wenn Ringe weniger in Mode sind, ist der Siegelring immer noch ein Schmuckstück, das Männer mit Selbstbewusstsein tragen. König Charles III, Prinz von Wales, wurde noch nie ohne einen goldenen Siegelring an seinem kleinen Finger gesehen. Und für Frauen ist er nach wie vor ein elegantes und persönliches Accessoire.

Siegelringe sind bei Prominenten und zeitgenössischen Schmuck-Marken sowohl für Männer als auch für Frauen sehr beliebt. So trägt der Schauspieler Brad Pitt trägt einen Siegelring von David Yurman, auf dem eine flinke Biene abgebildet ist.

Sie haben seit vielen Jahren keinen wirklichen praktischen Nutzen. Als Ausdruck von Mode, Geschmack und als ein persönliches Statement sind sie jedoch von nach wie vor von großer Bedeutung.

Der moderne Träger kann das Motiv der Gravur frei wählen, sei es ein einfaches Monogramm, ein Familienwappen oder ein Symbol, das auf seinen Hobbys und Interessen basiert. Die Fassung eines farbigen Edelsteins in einem klassischen Siegelring, vielleicht mit einem eingravierten Symbol, wird zu einem eleganten und klassischen Schmuckstück, das die Persönlichkeit des Trägers zum Ausdruck bringt.

Zwei ovale Ringe von im Stil von Siegelringen mit blauem Edelstein, einem Diamanten und graviertem Rand.

Siegelringe mit Lapis Lazuli und Diamant, graviertes Gold, Victor Mayer, 1980er

Weißmetallring mit ovalem grünem Edelstein, in den ein Drache eingraviert ist

Siegelring in Weißgold und grünem Achat, Gravur eines Drachen, Victor Mayer, 2024

Rachel Church ist Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt Schmuck und interessiert sich besonders für die Geschichten hinter den Schmuckstücken. Sie ist Autorin von „Rings“ (V&A/Thames and Hudson 2017) und „Brooches and Badges“ (V&A/Thames and Hudson 2019). Sie hält regelmäßig Vorträge und schreibt über Schmuck auf thelifeofjewels.com.

Unsere Victor Mayer Siegelring-Kollektionen sind die ersten Wahl für anspruchsvolle Schmuckliebhaber. Erfahren Sie jetzt, warum Siegelringe auch heute noch ein zeitloser Klassiker sind.

Portrait eines Mannesmit Schnurrbart mit dunklem Sakko und mit weißer Fliege zum weißen Hemd

Unsere Tradition

Ovaler Siegelring in Roségold mit einem blauen Edelstein und einer Gravur

Siegelringe von Victor Mayer

Die Manufaktur

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